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„Sag nein!“ – Kriegsdienstverweigerung in Slowenien und der DDR

Der unterschiedliche Erfahrungshorizont bringt nur wenig Berührungspunkte zwischen zivilgesellschaftlichen Gruppen in Jugoslawien und der DDR. Mit der sich verschärfenden Krise in Jugoslawien in den 1980er Jahren werden Proteste in Slowenien, wo die Meinungsfreiheit noch am größten ist, immer mehr als Systemkritik interpretiert. Der serbisch dominierte Bund reagiert „stalinistisch“ mit Verfolgungen und Verurteilungen. Mit der Verurteilung der Redakteure der slowenischen Jugendzeitschrift „Mladina“ 1988 werden verstärkt Menschenrechtsfragen aufgeworfen.

Quelle: ABLErst mit der Diskussion von Menschenrechtsfragen in Slowenien entsteht ein gemeinsames Anliegen. Konkret geht es um die Forderung der Kriegsdienstverweigerung als Menschenrecht.

 

PDF Download: Kriegsdienstverweigerung als Menschenrecht Bild: vusta/iStockphoto„Als Europäer protestieren wir gegen die unmenschlichen Praktiken unserer Regierungen.“
Am 21. März 1988 veröffentlichen 400 Oppositionelle aus der ČSSR, Ungarn, Polen, DDR, Jugoslawien und der Sowjetunion einen Appell an die gerade stattfindende Nachfolgekonfernz der KSZE in Wien. Der Aufruf ist der bis dahin breiteste Protest, der in den sozialistischen Ländern initiiert und koordiniert wurde.

Dem Thema nähert man sich in der DDR und in Jugoslawien aus zwei unterschiedlichen Richtungen. Während die DDR in der Abschreckungsdoktrin der beiden Machtblöcke fest integriert ist, kommt es im „blockfreien“ Jugoslawien zur Etablierung der Volksarmee als die tragende Säule des Staates. Die schwache Bundespolitik ermöglicht die stärkere Vereinnahmung der Volksarmee für serbische Interessen. Bereits 1981 wird sie zur Lösung des Kosovo-Konflikts eingesetzt.

Die Möglichkeit, als slowenischer Soldat gegen die eigene Nation marschieren zu müssen, wird als bedrückend empfunden.

 

Sag nein | Quelle: ABL

PDF Download: Wolfgang Borchert Bild: vusta/iStockphotoWolfgang Borchert: „Sag nein!“
In der DDR erscheint seit 1988 eine eigene Zeitschrift im Samisdat unter dem Titel „BeKenntnis“. Der Slogan „Sag nein!“ aus Borcherts Anti-Kriegs-Gedicht von 1947 wird im Jahr darauf zum Namensgeber und Sinnstifter.

 

BeKenntnis | Quelle: ABL

Internationale Treffen finden durch die begrenzten Reisemöglichkeiten meist ohne DDR-Beteiligung statt. Der Informationsaustausch mit der slowenischen Bewegung findet einzig durch das internationale Netzwerk statt und erscheint im Samisdat.

Antimilitärische Urlaubsgrüße aus Slowenien | Quelle: ABL

Olof-Palme-Marsch 1987 von Torgau nach Riesa (Sachsen) - Transparent der „Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner“ (DFG-VK) | Quelle: ABL / Chr. Motzer

OSTKREUZ - Politik.Geschichte.Kultur

 

PDF Download: Ostkreuz Januar 1989 Bild: vusta/iStockphoto„Grundsätzliche politische Veränderungen sind nur noch eine Frage der Zeit.“
Die (nationalen) Reformen des Sozialismus in Jugoslawien werden von der DDR-Opposition eher mit Skepsis verfolgt. Man ist aus der deutschen Verantwortung heraus allen nationalistischen Strömungen besonders kritisch eingestellt. Hintergründe über die jugoslawische Entwicklung und den forcierten Nationalismus erfährt man nur im Samisdat.