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1982


Legitimationskrise

Neues Deutschland

Nach dem Tod Titos macht sich eine gewisse Unsicherheit breit. Sie betrifft mögliche außenpolitische Konflikte. Man fürchtet, dass der Warschauer Pakt die Situation nutzen könne, um Jugoslawien zu destabilisieren.
Aus dieser Sorge heraus rückt Jugoslawien noch einmal kurzzeitig zusammen: „Nach Tito? - Tito!“ lautet die Perspektive.
Auf Tito folgen bis zum Ende Jugoslawiens 14 weitere Staatspräsidenten! Gemäß der Verfassung von 1974 setzt sich das Staatspräsidium als oberstes jugoslawisches Gremium nach Titos Tod aus je einem Vertreter der Republiken (6), den autonomen Gebieten (2) sowie dem Staatspräsidenten (1) zusammen. Im Rotationsprinzip wird jährlich ein neuer Präsident gewählt. Die acht Mitglieder des Präsidiums werden von den Länderparlamenten auf fünf Jahre bestimmt.
Die eigentliche politische Macht liegt aber bei der Partei und in den Republiken.

Quelle: ABLDie Anzeichen für eine sich überschlagende Inflation ist Anfang der 1980er Jahre unübersehbar. Der Import ist nur zu 53% vom Export gedeckt. Jugoslawien gerät in eine Schuldenkrise, die sich im Laufe der 1980er Jahre noch verstärkt. So wird 1987 der US-Dollar mit 1.244 Dinar gehandelt. Dazu kommt eine immense Inlandsverschuldung.
Es beginnt ein Kampf um die wirtschaftliche Existenz des Landes, der jedoch zu spät begonnen wird. Darüber hinaus verhindern die konkurrierenden politischen Eliten notwendige Veränderungen. Durch den Dauerkonflikt zwischen Dogmatikern und Reformern entsteht nie ein nötiger Grundkonsens.

Nach dem Tod Titos gerät Jugoslawien in den 1980er Jahren in eine Legitimationskrise, die der Staat nicht lösen kann. Alles, was die Menschen mit einem gewissen Stolz verbunden haben, bricht allmählich weg:
-> Der Wohlstand verschwindet.
-> Das Sozialismus-Modell der Selbstverwaltung erweist sich als unfähig, die wirtschaftliche Krise zu bewältigen.
-> Die Bedeutung der „Blockfreiheit“ und das außenpolitische Gewicht schwinden mit der Entspannungspolitik Mitte der 1980er Jahre.

In das entstehende Vakuum treten verstärkt nationalistische Elemente, zur Legitimation separatistischer Entwicklungen.

 

Kosovokonflikt

Durch die Krise des politischen und wirtschaftlichen Systems entladen sich die nationalen Konflikte. Das Dogma „Wir sind Kameraden“ tabuisiert die tradierten und jahrelang schwelenden Ressentiments.
Am 11. März 1981 brechen die ersten Unruhen an der Universität in Priština, der Hauptstadt des Kosovo, aus. Zunächst erheben die Studenten rein soziale Forderungen über den Zustand der Wohnheime und des Mensaessens. Schnell wird daraus ein politischer Protest als sich tausende Kosovo-Albaner anschließen. Die weitverbreitete Perspektivlosigkeit (23 % Arbeitslosigkeit) bildet dabei den Nährboden für nationalistische Strömungen.

Enver Hoxha | Quelle: Net.FilmDie Demonstranten fordern soziale Gerechtigkeit und den Republik-Status für den Kosovo. Perspektivisch will man die Vereinigung mit Albanien. Der greise albanische Diktator Enver Hoxha erfährt noch eine späte Ehre, denn er wird für viele zur Symbolfigur einer Kosovo-albanischen Freiheit.
Was die Kosovo-Albaner nicht wissen, dass Hoxha zugunsten seiner Unabhängigkeit auf den Kosovo verzichtet.
Nach tagelangen Unruhen werden die Demonstrationen durch Polizei und Militär niedergeschlagen.

Der im Mai 1982 veröffentlichte „Appell zur Verteidigung der serbischen Bevölkerung und seiner Heiligtümer im Kosovo“ von 21 serbisch-orthodoxen Priestern ist der Auftakt eines nationalistisch geführten Diskurses in Serbien, der das gewaltsame Vorgehen rechtfertigt und der Jugoslawien in der Folgezeit erschüttert.

Quelle: Net.FilmDie Geschichte wird dabei gnadenlos instrumentalisiert. So wird u.a. Kosovo Polje zu einem der wichtigsten serbischen Erinnerungsorte. Hier fand am 28. Juni 1389 (Vidovdan) die Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo Polje) statt. Eine der Legenden meint, hier habe Serbien das „europäische Christentum vor der osmanischen Eroberung geschützt“. Seit dem 19. Jahrhundert dient dieses Ereignis dem serbischen „Nationalmythos“.
In Kosovo Polje liegt jetzt das Zentrum der serbischen Protestbewegung gegen die Kosovo-Albaner.

 

Quelle: Net.Film Die nationalen Konflikte im Kosovo schaukeln sich im Laufe der 1980er Jahre immer weiter hoch und eskalieren. Serbien betrachtet dabei die Lösung des Konflikts als eine rein innere Angelegenheit und verwahrt sich gegen Einwände anderer Teilrepubliken als unerlaubte Einmischung von „außen“. (Quelle: Net.Film)

Der Kosovokonflikt eskaliert

Die Mobilisierungsmechanismen seitens der Serben sind:
- Kanalisierung der allgemeine Unzufriedenheit unter den Kosovo-Serben durch nationale Extremisten
- Duldung und schließlich Förderung durch die serbische Politik
- ideelle Legitimierung durch die Kirche, den Intellektuellen und in der Folge durch die Politiker